Orderarten erklärt: Limit, Stop-Loss und Co.

Orderarten steuern, wie dein Kauf oder Verkauf an der Börse abläuft. Fünf Stück musst du kennen – den Rest kannst du getrost vergessen. Wer die Unterschiede nicht versteht, verschenkt Geld. Oder verliert welches.

Stand: Februar 2026 · Aktualisiert am 02.02.2026

Orderarten – Zahlen die zählen

5 Orderarten die du brauchst Von über 15 möglichen
1–2 Ct. Spread bei DAX-Aktien Xetra Haupthandelszeit
10–15% Stop-Loss Faustregel Unter Kaufkurs für Buy&Hold
0,20 € Durchschn. Spread-Kosten Pro Aktie bei Standardwerten

Was ist eine Order – und warum gibt es verschiedene Arten?

Eine Order ist dein Auftrag an den Broker: kauf das, verkauf das. Die Orderart legt die Spielregeln fest – welcher Preis, welche Bedingungen, wann wird ausgeführt. Ohne das zu verstehen, fährst du quasi Auto ohne zu wissen wo die Bremse ist.

Warum nicht einfach auf „Kaufen“ drücken? Weil sich der Kurs in Sekunden ändern kann. Die Apple-Aktie steht bei 230 Euro, du gibst den Auftrag ab – und bezahlst 230,50. Passiert. Bei 100 Stück sind das 50 Euro Differenz. Klingt nach Kleinkram? Über ein ganzes Anlegerleben summiert sich das auf Beträge, für die du locker ein gebrauchtes Auto bekommst.

Die Sache ist aber weniger schlimm als sie klingt. Es gibt nur fünf Orderarten, die im Alltag zählen. Den Rest – Fill-or-Kill, Iceberg Orders, All-or-None – brauchst du als normaler Anleger ungefähr so dringend wie ein Zahnarzt einen Bohrhammer. Theoretisch verwandt, praktisch völlig anderer Einsatzbereich.

Welche 5 Orderarten muss ich wirklich kennen?

Market Order, Limit Order, Stop-Loss, Stop-Buy und Trailing Stop. Diese fünf decken alles ab – vom Sparplan-Käufer bis zum aktiven Trader. Jede hat ihren Moment, jede hat ihre Tücken.
OrderartWas passiert?Wann nutzen?Risiko
Market OrderSofort zum nächsten verfügbaren KursSchnelle Ausführung nötigPreis kann abweichen (Slippage)
Limit OrderNur zum Wunschpreis oder besserPreis kontrollierenWird vielleicht nie ausgeführt
Stop-LossVerkauft automatisch unter Schwelle XVerluste deckelnGaps → schlechterer Preis möglich
Stop-BuyKauft automatisch über Schwelle YTrendfolge, AusbrücheKauf teurer als gehofft
Trailing StopStop-Loss der mit dem Kurs mitwandertGewinne laufen lassenVolatilität stoppt zu früh

Jetzt gehen wir die nacheinander durch. Mit Zahlen, Beispielen und den Fehlern die ich selbst gemacht hab.

Wie funktioniert eine Market Order genau?

Die Market Order – auch Bestens-Order genannt – wird sofort zum nächstbesten Kurs ausgeführt. Schnellste Variante. Aber der Preis, den du bezahlst? Nicht garantiert. Was auf dem Bildschirm steht und was du kriegst, kann auseinandergehen.

Beispiel: Du willst BMW kaufen, Kurs zeigt 95 Euro an. Market Order raus. Der Broker führt aus – vielleicht bei 95,10, vielleicht bei 94,90. Bei liquiden Werten wie BMW schwankt das minimal. Bei einem Nebenwert mit kaum Handelsvolumen? Da kann schon mal 1–2% daneben liegen. Und das ist kein Bug, das ist ein Feature – der Markt ist halt nicht eingefroren während du bestellst.

Wann Market Order Sinn macht: Crash-Situation, du willst raus, jetzt sofort. Oder bei DAX-Aktien während der Haupthandelszeit, wo der Spread eh nur Centbeträge ausmacht.

Wann nicht: Bei dünn gehandelten Papieren. Vor Börseneröffnung. Oder wenn dir der Preis wichtiger ist als die Geschwindigkeit – dann nimm eine Limit Order.

Wie funktioniert eine Limit Order?

Bei der Limit Order sagst du: „Kauf, aber höchstens für X Euro“ oder „Verkauf, aber mindestens für Y Euro.“ Erreicht der Markt deinen Preis – Auftrag wird ausgeführt. Erreicht er ihn nicht? Passiert gar nichts. Die Order verfällt irgendwann.

Konkretes Szenario: Bayer steht bei 25 Euro. Du findest 23,50 Euro fair. Limit-Kauf bei 23,50 setzen. Fällt der Kurs dahin, wird gekauft. Automatisch, ohne dass du am Rechner sitzen musst. Fällt er nie so tief? Dann halt nicht. Kein Drama, nächste Gelegenheit.

Ich hab die Limit Order am Anfang ignoriert. Klassischer Anfängerfehler. Einmal deutlich teurer eingestiegen als geplant, weil ich einfach „Market“ gedrückt hab bei nem volatilen Wert. Das war so als ob man im Restaurant bestellt ohne die Speisekarte zu lesen – man kriegt was, aber ob der Preis stimmt, steht auf einem anderen Blatt.

Praxis-Tipp: Limit Orders richtig setzen

Setz das Limit nicht zu knapp. Wenn die Aktie bei 25,00 steht und du 24,99 bietest, wird das vermutlich sofort ausgeführt – bringt dir also nix. Lieber 3–5% unter dem aktuellen Kurs, wenn du auf einen Rücksetzer wartest. Und: Gültigkeit auf mindestens 30 Tage stellen.

Wie funktioniert ein Stop-Loss?

Der Stop-Loss ist dein Sicherheitsnetz. Du legst einen Kurs fest, bei dem automatisch verkauft wird – damit ein kleiner Verlust nicht zum Desaster wird. Kein Nachdenken, keine Emotionen, die Maschine zieht die Reißleine für dich.

So läuft das: Du kaufst Siemens bei 200 Euro. Stop-Loss bei 180 Euro – also 10% drunter. Fällt der Kurs auf 180, wird eine Market Order ausgelöst und die Aktie verkauft. Maximaler Schaden: rund 10%.

Jetzt der Haken. Und der ist wichtig.

Bei einem Gap – der Kurs springt über Nacht von 185 auf 170, weil irgendein Quartalsbericht mies war – wird der Stop erst bei 170 aktiv. Nicht bei 180. Du verlierst also 15% statt 10%. Passiert selten bei Bluechips, aber es passiert. Wer das nicht hinnehmen will, nimmt die Stop-Limit-Order: „Verkauf wenn unter 180, aber mindestens zu 175.“ Sicherer, aber die Aktie kann auch durchrutschen ohne dass verkauft wird.

Faustregel: 10–15% unter Kaufkurs für Buy-and-Hold-Anleger. Bei Daytradern deutlich enger – 1–3% maximal.

Wie funktioniert ein Trailing Stop?

Der Trailing Stop ist ein Stop-Loss, der mitwächst. Steigt der Kurs, zieht der Stop nach oben mit. Fällt der Kurs, bleibt der Stop wo er ist. Er geht nie zurück. So lässt du Gewinne laufen und sicherst sie gleichzeitig ab.

Zahlenbeispiel: Aktie bei 100 Euro, Trailing Stop 10%. Der Stop liegt bei 90. Die Aktie klettert auf 120 – der Stop zieht automatisch auf 108. Aktie fällt wieder auf 108? Verkauft. Dein Gewinn: 8 Euro pro Aktie. Ohne Trailing Stop hättest du vielleicht bei 95 panisch verkauft. Oder bei 80 resigniert.

Meiner Meinung nach die eleganteste Orderart überhaupt. Wie ein Hund der nur vorwärts geht auf der Leine – er folgt dir bergauf, aber bergab stemmt er die Pfoten in den Boden. Nicht jeder Broker bietet ihn an. Trade Republic hat ihn, comdirect auch, Scalable Capital ebenfalls.

Achtung bei hoher Volatilität: Ein zu enger Trailing Stop (z.B. 3%) kann dich bei normalen Tagesschwankungen rauswerfen. Bei volatilen Werten lieber 8–12% Abstand wählen. Sonst wirst du ständig ausgestoppt und kaufst teuer wieder ein.

Welche Orderart passt zu welchem Anlegertyp?

Das hängt davon ab, wie du investierst. Sparplan-Käufer brauchen sich null Gedanken machen. Buy-and-Hold-Anleger setzen auf Limit plus Stop-Loss. Und aktive Trader? Die nutzen meistens alles.
AnlegertypPassende OrderartenWarum
ETF-SparplanMarket Order (automatisch)Broker kauft regelmäßig, kein Limit nötig
Buy-and-HoldLimit Order + Stop-LossGuter Einstieg + Sicherheitsnetz
Swing TraderLimit + Stop-Loss + Trailing StopPräzise rein, abgesichert raus
DaytraderMarket + Stop-Loss (eng)Geschwindigkeit über alles, enge Stops

Als Anfänger: Limit beim Kauf, Stop-Loss danach setzen. Mehr brauchst du erstmal nicht. Bei ETF-Sparplänen brauchst du dich um Orderarten gar nicht kümmern – läuft alles automatisch.

Was ist der Spread – und warum kostet er dich Geld?

Der Spread ist die Lücke zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Kaufkurs 100,10 Euro, Verkaufskurs 99,90 Euro – der Spread beträgt 0,20 Euro. Sofort kaufen und verkaufen? 0,20 Euro Verlust pro Aktie, ohne dass irgendwo „Gebühr“ steht.

Bei DAX-Werten über Xetra während der Haupthandelszeit: 1–2 Cent Spread. Praktisch irrelevant. Bei einem SDAX-Nebenwert am Freitagabend um 21 Uhr? Kann schon mal 50 Cent oder mehr sein. Das frisst dir die Rendite weg, ohne dass du es merkst.

Deswegen: Möglichst zwischen 9:00 und 17:30 Uhr über regulierte Handelsplätze kaufen. Xetra hat die höchste Liquidität, Tradegate ist für Privatanleger auch solide. Außerhalb dieser Zeiten bezahlst du den Spread als unsichtbare Steuer. Und unsichtbare Steuern sind die ärgerlichsten.

Welche Gültigkeitsdauer soll ich wählen?

Drei Optionen bei den meisten Brokern: Tagesgültig (nur heute), Ultimo (bis Monatsende) oder ein frei wählbares Datum. Für Limit Orders und Stop-Orders längere Laufzeit nehmen – der Kurs braucht manchmal Wochen bis er dein Ziel erreicht.

Bei Market Orders spielt die Gültigkeit keine Rolle – die werden sofort ausgeführt oder scheitern. Bei einer Limit Order willst du dem Markt aber Zeit geben. Wer eine Bayer-Aktie bei 23,50 haben will und das Limit nur tagesgültig setzt, muss jeden Tag neu ordern. Nervig. Unpraktisch.

Mein Vorgehen: Limit Orders immer auf 60 Tage oder länger. Setzen und vergessen. Wird ausgeführt oder eben nicht – kein Stress, keine tägliche Kontrolle. Hat was von Angeln: Haken rein, warten, irgendwann beißt einer. Oder halt nicht.

Mehr zu langfristigen Vorgehensweisen steht bei unseren Anlagestrategien. Und wer wissen will warum nicht alles auf eine Karte setzen schlau ist: der Diversifikation-Guide.

Häufige Fragen zu Orderarten

Was ist eine Orderart einfach erklärt?

Eine Orderart legt die Regeln fest, nach denen dein Kauf- oder Verkaufsauftrag ausgeführt wird: zu welchem Preis, unter welchen Bedingungen, wie schnell. Die drei wichtigsten sind Market Order (sofort), Limit Order (nur zum Wunschpreis) und Stop-Loss (automatisch verkaufen bei Verlust).

Was ist der Unterschied zwischen Market Order und Limit Order?

Market Order = sofort zum aktuellen Kurs, egal wie der gerade steht. Limit Order = nur zum Wunschpreis oder besser. Market ist schnell aber ungenau, Limit ist präzise aber wird eventuell gar nicht ausgeführt. Für liquide DAX-Werte reicht Market – bei allem anderen lieber Limit.

Wie setze ich einen Stop-Loss richtig?

Faustregel: 10–15% unter Kaufkurs bei Buy-and-Hold, 1–3% bei Daytrading. Nicht zu eng setzen – sonst wirst du bei normalen Schwankungen rausgeworfen. Und: Bei Kurssprüngen (Gaps) kann der tatsächliche Verkaufspreis unter dem Stop-Kurs liegen.

Was ist ein Trailing Stop und wie funktioniert er?

Ein dynamischer Stop-Loss der automatisch nach oben mitzieht wenn der Kurs steigt – aber nie nach unten geht. Bei 10% Abstand und einer Aktie die von 100 auf 120 steigt, wandert der Stop von 90 auf 108. Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen – beides gleichzeitig.

Was bedeutet Spread beim Aktienhandel?

Die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Bei DAX-Aktien über Xetra oft nur 1–2 Cent – irrelevant. Bei Nebenwerten oder außerhalb der Handelszeiten kann der Spread deutlich größer werden. Handele möglichst zwischen 9:00 und 17:30 Uhr um den Spread gering zu halten.

Welche Orderart ist die beste für Anfänger?

Limit Order beim Kauf (du kontrollierst den Preis) plus Stop-Loss zur Absicherung (begrenzt Verluste automatisch). Bei ETF-Sparplänen brauchst du dich um Orderarten null kümmern – der Broker macht alles per Market Order automatisch.

Kann eine Limit Order verfallen?

Ja. Jede Limit Order hat eine Gültigkeitsdauer – tagesgültig, ultimo (Monatsende) oder frei wählbar. Erreicht der Kurs dein Limit in dieser Zeit nicht, verfällt die Order ohne dass irgendwas passiert. Tipp: Mindestens 30–60 Tage Gültigkeit einstellen.

Wann nutze ich eine Stop-Buy Order?

Bei Trendfolge-Strategien. Du willst erst einsteigen wenn ein Kurs einen Widerstand durchbricht. Beispiel: Aktie pendelt um 48–50 Euro, du setzt Stop-Buy bei 51 Euro. Bricht der Kurs nach oben aus, bist du automatisch dabei – ohne ständig den Chart zu beobachten.

Hinweis: Dieser Artikel dient der Finanzbildung und stellt keine Anlageberatung dar. Die verfügbaren Orderarten und ihre Bezeichnungen können je nach Broker leicht abweichen. Investiere nur Geld, dessen Verlust du verkraften kannst. Stand: Februar 2026.